Vorbemerkungen zur Online-Edition


Der Prozess wissenschaftlicher Arbeit vom Auffinden und der Aufbereitung über die professionelle Übersetzung russischsprachiger Akten bis hin zur Auswertung und Darstellung der Forschungsergebnisse ist langwierig. Die digitale Editierung der Akten und die Online-Veröffentlichung besitzen einige Vorteile gegenüber herkömmlichen Publikationen. Zum einen wird der Veröffentlichungsprozess zeitlich abgekürzt und zum anderen können Dokumente in einem weitaus größeren Umfang präsentiert werden. Zudem sind Aktualisierungen und Ergänzungen problemlos möglich. Ein ganz entscheidender Vorteil ist aber die umweltschonende Verfügbarkeit. Gerade während gesellschaftlicher Krisenzeiten, in denen das öffentliche Leben eingeschränkt ist, besitzen Internetressourcen für die Wissenschaft grundlegende Bedeutung. 

Die digitale Edition basiert auf sowjetischen Akten über die Verhaftung und den Prozess gegen Arno Esch und seine Freunde, die im Bestand der BStU, MfS HA IX/11 RHE Nr. 44/89, Bd. 1-6, überliefert sind. Im Mittelpunkt der hierfür speziell ausgewählten Dokumente steht der Hauptangeklagte Esch. Da sein jüngerer Freund Friedrich-Franz Wiese in die unmittelbaren Verhöre miteinbezogen war und als einziger der zum Tode Verurteilten begnadigt wurde, werden die ihn betreffenden Akten für das bessere Verständnis mit einbezogen.

Am 24. Juli 1951 wurde Esch in Moskau erschossen. Im Jahr 2021 jährt sich der Tod des jungen Liberalen zum 70. Mal. Die Online-Veröffentlichung folgt seinen letzten Lebensmonaten. Das geschieht auf der Grundlage der sowjetischen Faksimiles, die hierfür ins Deutsche übersetzt worden sind. Mit der Verhaftung am 18. Oktober 1949, Arno Eschs Überführung in das NKWD-Gefängnis am Schweriner Demmlerplatz und den Verhören bis zum 28. April 1950 (BStU, MfS HA IX/11 RHE Nr. 44/89, Band 1, Blatt 1-189) beginnt die Edition. Bis Mitte Dezember 2020 werden die Unterlagen des zeitgleich verhafteten Friedrich-Franz Wieses (Band 1, Blatt 190-300) digital bereitgestellt. Am 6. Februar 2021, dem 93. Geburtstag Eschs, sollen die Beweismittel, die man bei der Durchsuchung seiner Wohnung gefunden hat, veröffentlicht werden. Arno Esch wurde in einem Prozess vom 18. bis 20. Juli 1950 in Schwerin zum Tode verurteilt. Danach kam er nach Moskau und musste nach der Revision des Urteils eine zweite Verhandlung über sich ergehen lassen, die am 26. Mai 1951 ebenfalls mit der Todesstrafe endete. Zum 70. Jahrestag des zweiten Prozesses gegen Esch bildet 2021 den Anlass, die einschlägigen Prozessakten (Band 5) online zu stellen. Die Edition endet am 24. Juli 2021, dem Tag der Hinrichtung.

Die Anordnung der Quellen erfolgt chronologisch entsprechend des Aufbaus der Akten. Die Gestaltung der einzelnen Seiten der deutschen Übersetzung lehnt sich an das russischsprachige Original an, um dem Leser die Vergleichbarkeit zu erleichtern. Ein besonderes Problem sind die Rückübersetzungen von deutschen Personen- und Ortsnamen aus dem Russischen. Hier wurde, wenn möglich, die richtige deutsche Schreibweise in den Text übernommen. In Zweifelsfällen finden sich Lesarten in den Fußnoten. Handschriftliche Unterschriften werden in eckigen Klammern angekündigt. Ebenso wird auch auf nicht lesbare Textbestandteile aufmerksam gemacht. Die handschriftlich verfassten Texte wurden kursiv wiedergegeben und wichtige Hervorhebungen durch Unterstreichungen oder Randzeichen in die deutsche Übersetzung übernommen. Personen werden, soweit möglich und nicht zum Kreis der Verhafteten gehörig, in den Fußnoten eingeordnet, ohne auf weiterführende Literatur hinzuweisen. Der aktuelle Bearbeitungsstand findet sich in der Zitation.

Die historischen Schriftstücke wurden von Roma Müller, Spezialistin für russische Gerichtsakten, übersetzt. Ein besonderer Dank gilt Anna Tauscher und Dieter Klatt von der BStU, Außenstelle Görslow, ohne deren sorgfältige Recherche die Akten nicht gefunden worden wären, dem Leiter der BStU Außenstelle Waldeck, Dr. Volker Höffer, für seine umsichtige Beratung sowie Dr. Florian Detjens und Friedrich Niemeyer von der Universität Rostock für die technische Umsetzung des Projekts und Jewgeni Zinger für die Fotos.

Empfohlene Zitierweise: Fred Mrotzek: Der Fall Arno Esch, in: www.dokumentationsstelle.uni-rostock.de/publikationen/online-edition-arno-esch/online-edition-arno-esch (Datum der letzten Bearbeitung)

Fred Mrotzek